Auf a Wort im Achental Podcast

Auf a Wort im Achental mit Dan Lorang

“Für mich ist die Umgebung hier wie ein Ruhepol.“

Dan Lorang zählt zu den führenden Performance- und Ausdauer-Coaches im internationalen Spitzensport. Der 46-jährige Luxemburger ist Performance Coach beim WorldTour-Team Red Bull – BORA – hansgrohe, wo er seit vielen Jahren an der Spitze der sportlichen Entwicklung steht und Profis zu Höchstleistungen begleitet. Athletinnen und Athleten, die er betreut hat, gewannen einige der größten Radrennen der Welt, Ironman-Titel und Olympisches Gold.

Ab der Saison 2026 wird Dan Lorang seine Expertise noch breiter einsetzen, indem er nicht nur für das Radsportteam, sondern für Athletinnen und Athleten aus allen Ausdauersportarten im Red Bull-Universum als Coach zur Verfügung steht – zugleich bleibt der enge Bezug zum Red Bull – BORA-hansgrohe-Team erhalten.

Privat lebt er mit seiner Familie in Unterwössen, wo er die alpine Umgebung auch für Training und Erholung nutzt.

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:

Dan, du lebst mit deiner Familie seit mehr als acht Jahren in Unterwössen. Was hat euch ursprünglich ins Achental verschlagen? Gab es einen bestimmten Moment, der den Ausschlag gegeben hat?
Bis 2016 war ich Bundestrainer im Triathlon am Standort Saarbrücken. Da ich mich dann verändert habe und immer schon den Wunsch hatte, in den Bergen zu wohnen, haben meine Frau und ich – sie kommt aus Bayern aus Landsberg am Lech – uns im Chiemgau umgeschaut, da die Gegend auch für sie beruflich in Frage kam.

In Unterwössen haben wir dann sowohl einen Kitaplatz für unseren Sohn als auch ein Haus gefunden. Wir fanden es sehr sympathisch, dass pro Jahrgang auch ein Platz für Zugereiste zur Verfügung stand, den wir dankenswerterweise dann auch bekommen haben.

Was genau macht ein Performance- und Ausdauercoach?
Meine Hauptrolle ist es, die Sportler zu begleiten, Höchstleistungen zu erreichen. Das mache ich vor allem darin, dass ich Trainingspläne schreibe, Trainingsdaten sammele, analysiere und wir gemeinsam darauf hinarbeiten, bei Wettkämpfen die bestmöglichen Leistungen zu erreichen. Dazu gehört auch, die Sportler in ihrer Persönlichkeits-entwicklung zu begleiten. Es sind zwar alles Erwachsene, aber oft noch sehr junge Athleten, die von einem größeren Stab von Spezialisten betreut werden. Das muss alles koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Wir sind tagtäglich mit den Athleten in Kontakt – das muss nicht immer persönlich sein, aber in jedem Fall virtuell. Die Athleten wohnen überall in Europa verteilt. Wir sehen uns in den Trainingslagern und bei Wettkämpfen. Sie trainieren an ihren Wohnorten und manchmal reise ich auch zu ihnen und betreue sie sonst online und bestmöglich mit dem Wissen, das ich mir in den letzten 20 Jahren angeeignet habe.

Künstliche Intelligenz wird uns zukünftig dabei helfen, Daten noch besser und schneller zu analysieren, so dass wir wieder mehr Zeit haben werden für das Menschliche, also mit den Athleten mehr persönlich zu kommunizieren.

Was bedeutet dir das Leben hier heute? Was macht Unterwössen und das Achental insgesamt für dich zu einem besonderen Wohn- und Lebensort?
Für mich ist die Umgebung hier wie ein Ruhepol. Die Berge, die Landschaft, die Natur – das ist alles so ruhig hier, wie in einer anderen Welt. Ich bin viel unterwegs, mehr als 100 Tage im Jahr, aber wenn ich dann über den Irschenberg fahre und die Berge sehe, dann denke ich: ‚Alles gut‘. Es gibt mir sehr viel Ruhe, dort zu leben, wo andere Urlaub machen. Das war auch damals unser Ziel, nahe an den Bergen zu wohnen und genau diese Ruhe zu finden.

Du arbeitest auf höchstem internationalem Leistungsniveau. Wie nutzt du die Natur und die sportlichen Möglichkeiten hier vor Ort für dich persönlich? Welche Sportarten übst du im Achental am liebsten aus?
Wir haben einen Hund und das spielt eine große Rolle. Mit einem Hund musst du immer viel rausgehen. Ich gehe viel laufen mit dem Hund. Ich bin auch ein begeisterter Radfahrer, aber: Da fehlt mir zuhause dann tatsächlich die Zeit. Wenn ich viel unterwegs bin, möchte ich die Zeit zuhause dann mit der Familie verbringen

Im Winter gehe ich gerne Skitouren und oder mit meiner Frau Langlaufen. Wandern ist auch schön, das machen wir gerne als Familie zusammen.

Sieht man dich oder vielleicht sogar Fahrer des Red Bull Bora Hansgrohe Teams auch einmal beim Training in unserer Region oder ist das eher die Ausnahme?
Tatsächlich bin ich hier weniger auf dem Rennrad unterwegs, was aber eher ein Zeitproblem ist. Wenn vielleicht mal mit dem Mountainbike auf den Berg. Unsere Fahrer sieht man hier nicht im Training, da sie eher am Wohnort trainieren. Tatsächlich sind das eher Fans und Radsportbegeisterte in unseren Trikots, die man hier sieht.

Hast du eine persönliche Lieblings-Rennradstrecke, die direkt von Unterwössen aus startet? Was macht diese Route für dich besonders?
Da kann ich die Klassikerrunde empfehlen. Die kann jeder schaffen und man sieht von allem was. Über den Masererpass nach Reit im Winkl, rüber nach Ruhpolding, dann Richtung Siegsdorf über Bergen zurück. Das ist eine schöne Runde. Man sieht die Berge, es sind nicht zu viele Höhenmeter und man bekommt von der Umgebung richtig viel mit.

Du bist beruflich viel unterwegs und stark eingespannt. Wie viel Zeit verbringst du tatsächlich draußen im Achental und was bedeutet für dich ganz persönlich „Freizeit“? Wie schaltest du ab?
Ich schalte am besten ab, wenn ich rausgehe mit unserem Hund oder noch besser mit der Familie zusammen spazieren gehe. Ich liebe es, an der Tiroler Ache entlangzulaufen und die Gedanken schweifen zu lassen. Es ist so, dass man bei gleichmäßigen Belastungen, auch zum Beispiel beim Wandern, am besten abschalten kann.

Manchmal fahren wir auch einfach mit der Bahn auf den Berg und genießen die schöne Aussicht.

Was bedeutet für Dich Heimat?
Heimat bedeutet für mich, da zu sein, wo meine Familie ist. Mittlerweile fühlt sich das hier für uns wie Heimat an. Das Lebensgefühl hier spiegelt auch gut wider, was ich selbst fühle. 

Was ist für dich „Typisch Achental“?
In jedem Fall die Tiroler Ache, die so unterschiedlich ist, wie sie sich hier durch das Tal schlängelt.

Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Für mich muss das ein Ort sein, der leicht zu erreichen ist. Deshalb einfach an der Tiroler Ache zu sein, das ist mein Lieblingsplatz. Je nach Wetter, Jahreszeit und Uhrzeit ist es dort auch immer anders.

Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Ich finde die Sonnwendfeuer sehr beeindruckend und schön. Wir haben es letztes Jahr erlebt, und die Stimmung überall auf den Bergen war sehr schön und magisch. Das gefällt mir neben dem Almauftrieb und -abtrieb mit am besten hier.

Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental und im Chiemgau?
Ein perfekter Tag ist für mich eine Aktivität draußen wie zuerst laufen mit dem Hund und dann Wandern – am liebsten mit der Familie – und dann einfach irgendwo hinlegen und die Natur und die Ruhe genießen. Gerne auch am Chiemsee oder am Wössner See. Also erstmal müde machen und dann genießen.

Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Tatsächlich habe ich nicht das eine Lieblingswort. Es gibt auch das Phänomen, dass die Einheimischen, die uns unglaublich herzlich hier aufgenommen haben, automatisch hochdeutsch mit mir reden. In der Arbeit rede ich immer englisch.

Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst?
weder noch
Leberknödel oder Spinatknödel?
Spinatknödel
Schweinsbraten oder Chiemseerenke?
Chiemseerenke

Berggehen oder Bergradeln? Bergradeln

Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel

Alpinski oder Nordicski? Nordicski

Was ist Dein Lebensmotto?
Sei Fan und Autor deiner eigenen Geschichte. Was so viel heißt wie, dass man das, was man tut, gerne macht. Ich glaube sehr fest daran, dass man, wenn man glücklich ist, auch anderen Menschen besser helfen kann, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen.