Auf a Wort im Achental mit Kristian Mehringer
Weltmeister werden im Sommer gemacht.
Kristian Mehringer, 44 stammt aus dem oberbayerischen Ruhpolding, einem der bekanntesten Biathlon-Orte der Welt. Als ehemaliger Leistungssportler war er selbst viele Jahre im internationalen Biathlonsport aktiv. Nach seiner aktiven Karriere wechselte er ab 2010 – 2014 ins Weltcup-Technikteam und hat dort schon nebenbei als Nachwuchstrainer gearbeitet. Ab 2015 dann der Wechsel zum Bayerischen Skiverband als verantwortlicher Trainer der Juniorenmannschaft. Seit 2018 wirkt er als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft der Biathlon-Frauen im Deutschen Skiverband (DSV). Kristian Mehringer wohnt in Schleching im Achental. Wir haben ihn im Sommer 2025 in der Tourist Info im Alten Bad in Unterwössen getroffen.
Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:
Kristian, du stammst aus Ruhpolding, einer echten Hochburg des Biathlonsports. Wie prägt die Region deine Arbeit und deinen Bezug zum Biathlon?
Ruhpolding ist das Biathlon-Mekka hier in Bayern. Ich habe mit Skilanglauf begonnen und zunächst die Grundlagen gelernt. Mit elf Jahren habe ich dann den Biathlonsport für mich entdeckt. Man fängt zunächst mit Luftgewehrschiessen an. Das hat mir riesig Spaß gemacht. Erst muss man sich konditionell auspowern und dann am Schießstand eine ruhige Hand finden. Es war zwar nicht unbedingt meine Stärke am Schießstand, aber die gesamte Umgebung in Ruhpolding hat mich schon sehr geprägt und meine Begeisterung für den Biathlonsport geweckt. In meiner Kindheit waren damals vielleicht erst 500 Zuschauer in der Chiemgau Arena, aber auch das war schon sehr beeindruckend. Die Umgebung prägt in jedem Fall die Sportbegeisterung.
Wie gelingt es, schon Kinder für den Biathlonsport zu begeistern?
Wir sind auch zunächst mit Alpinski aufgewachsen. Das haben wir eher aus Spaß gemacht, damit wir ein Gefühl für die Ski bekommen. Für Kinder ist es wichtig, sich auszuprobieren. Wir hatten eine großartige Trainerin, die uns dann schon früh über das Langlaufen zum Biathlon gebracht hat.
Meine Kinder sind im Skiteam Achental beim Alpinski aktiv. Es wäre eine schöne Sache, wenn es hier auch eine Abteilung für Skilanglauf-Förderung für Kinder geben könnte.
Was sind die Aufgaben eines DSV-Cheftrainers im Biathlon?
Er hat die gleichen Aufgaben wie ein normaler Trainer auch. Nur zusätzlich noch Termine im Verband zum Beispiel, organisatorische Dinge rund ums Trainingslager und mit den Heimtrainern. Unsere Athletinnen kommen aus ganz Deutschland, und es gibt viel Kommunikation mit den Heimtrainern. Das tägliche Training mache ich genauso mit den Athletinnen, die hier in der Region wohnen, wie auch mit der gesamten Nationalmannschaft.
Wie viele Athletinnen sind aktuell in der Nationalmannschaft?
Das ist immer abhängig von der Leistung. Wir haben aktuell sechs Startplätze im Weltcup. In der Nationalmannschaft haben wir aktuell acht Athletinnen, d.h., es können sich nicht alle Athletinnen qualifizieren. Die etablierten Athletinnen wie Franziska Preuß und Selina Grotian sind aber gesetzt für den Weltcup.
Wie viele Tage bist du in der Saison im Winter zuhause im Achental?
Zu wenig. Wir sind immer drei Wochen pro Monat unterwegs im Winter. Also sind wir maximal eine Woche im Monat zuhause. Die Saison geht von Ende November bis Ende März. Mir reichen aber oft schon wenige Tage, um mich zuhause zu erholen.
Was passiert im Sommer, wenn keine Wettbewerbe stattfinden? Wie und wo wird trainiert?
Wir haben im Sommer Trainingslager, jeden Monat zwei Wochen. Jetzt speziell zur Vorbereitung auf Olympia auch mit Höhentraining. Die meisten Menschen denken, wir fangen im Oktober das Trainieren an. Bei uns ist nur der April etwas ruhiger. Im Mai geht dann schon wieder das Training los für den Winter. Wir sind täglich in Ruhpolding in der Biathlon-Arena oder im Trainingslager.
Aktuell (Anmerkung der Redaktion: im Juli) trainieren wir in Südtirol und in Frankreich. Überall, wo wir die Höhe haben. Denn: Im Sommer werden die Weltmeister gemacht.
Wie hältst du dich selbst fit im Sommer? Was ist Deine Sportart neben Biathlon im Winter?
Ich mache jeden Sport gern, besonders gerne fahre ich Rennrad. Als Trainer muss man auch Vorbild sein und selbst fit sein. Wir testen auch Ski und laufen mit den Athletinnen mit. Körperliche Fitness ist für uns Trainer sehr wichtig.
Im Achental gibt es wunderbare Loipen. Was macht das Langlaufen hier für dich besonders, auch abseits des Spitzensports?
Wir haben hier zum Langlaufen optimale Pisten. Hier ist ein sehr homogenes Gelände für den Breitensport. Keine großen Gefälle oder steile Anstiege. Wir haben auch sonnige Loipen, die immer top präpariert sind. Das ist für uns Spitzensportler genauso wichtig wie für den Tourismus.
Viele Gäste, aber auch Einheimische, sind vom Biathlon fasziniert. Was würdest du einem Anfänger raten, der vielleicht mal Biathlon selbst ausprobieren möchte? Wo kann man das hier lernen?
Aktuell läuft ein Projekt in den Grundschulen im Achental, wo die 3. und 4. Klassen sich mal mit Lichtgewehren ausprobieren dürfen. Da waren die Trainer und Übungsleiter von den Schülern mit dabei. Ich war auch selbst dabei, um mir das mal anzuschauen. Die Idee ist, dass die Kinder den Biathlonsport ein bisschen kennenlernen. Die Kinder kennen zwar einige Athleten, aber können so auch mal praktisch ein bisschen reinschnuppern. Ab 11 Jahren dann kann man als Schüler anfangen. In Ruhpolding bietet eine Trainingsgruppe ein Training an.
Für die Zielgruppe ‚Erwachsene‘ bietet die Chiemgau Arena das Fritz Fischer Trainingscamp an (www.biathloncamp.de/aktuelles/), wo man entweder am Wochenende oder an einzelnen Tagen mal ins Biathlon reinschnuppern kann. Gut wäre es, wenn man schon langlaufen kann.
Was habt ihr euch vorgenommen für die nächste Saison mit dem Biathlon Weltcup in Ruhpolding und den Olympischen Winterspielen 2026 in Italien?
Wir Trainer haben uns viel vorgenommen. Ich hoffe, die Athletinnen auch. Ich denke, die letzte Saison war ganz in Ordnung mit Franziska Preuß als Gesamtweltcup-Siegerin. Das müssen wir erstmal wieder bestätigen. Wir wollen in jedem Fall an die Erfolge der letzten Saison anknüpfen. Der Weltcup in Ruhpolding hat immer einen besonderen Stellenwert für mich, der Ort, wo ich herkomme und die Nähe zur Heimat in Schleching. Hier haben wir immer besondere Erwartungen vor heimischem Publikum. Da wollen wir eine Top Leistung bringen. Kurz darauf sind die Olympischen Spiele 2026. Olympia hat immer eigene Gesetze. Es hat jede Nation nur vier Startplätze. Da muss alles zusammenpassen. Man muss gut trainiert sein, auch mental auf der Höhe und gleichzeitig gelassen bleiben. Natürlich wollen wir in Italien 2026 um die ein oder andere Medaille mitlaufen. Wir wollen uns bestmöglich verkaufen und Medaillen nachhause bringen. Es muss aber alles passen.
Was bedeutet für dich Heimat?
Heimat bedeutet für mich Ruhe
Was ist für dich „Typisch Achental“?
Bei ‚typisch Achental‘ muss ich immer an die Tiroler Ache denken.
Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Ich habe keinen eindeutigen Lieblingsplatz, bin aber gerne auf einem unserer Gipfel, z.B. auf dem Geigelstein. Da muss ich aber früher unterwegs sein, damit ich dort allein bin.
Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Meine Tochter ist im Trachtenverein und ich gehe gerne mit, wenn sie zu verschiedenen Anlässen einen Auftritt hat.
Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental?
Ich bin gerne mit dem Radl unterwegs. Und im Sommer bin ich gerne mit den Kindern zur Abkühlung an einem unserer Seen oder an der Tiroler Ache.
Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
„Herrgottsakrament!“ Ist so ein bisschen typisch für mich.
Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst? Weißwurst
Leberknödel oder Spinatknödel? Spinatknödel
Schweinsbraten oder Chiemseerenke? Schweinsbraten
Berggehen oder Bergradeln? Bergradeln
Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel
Bergradl oder Rennradl? Rennradl
Was ist dein Lebensmotto?
„Scheiß dir nix, dann feit dir nix.“
Ab und zu ist weniger denken besser.






