Auf a Wort im Achental Podcast

Auf a Wort im Achental mit Thomas Hiendl

“Die Chiemgauer Trachtentraditionelle Kleidung (Dirndl, Lederhose) und Bräuche und das Chiemgauer Lebensgefühl zu vermitteln ist die Hauptaufgabe unserer Trachtenvereine.“

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: 2026 feiert der ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl… Alpenverband sein 100-jähriges Bestehen — und richtet gleichzeitig mit dem Trachtenverein MarquartsteinMarquartstein ist ein Luftkurort im Achental und ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, Bergtouren und Naturerlebnisse. vom 23. Juli bis 2. August 2026 das Gaufest in Marquartstein aus. Anlass genug uns im Vorfeld mit Thomas Hiendl, 1. Gauvorstand des Chiemgau Alpenverband zum ‚Auf a Wort‘ Interview zu treffen. Der gebürtige Feldwieser ist seit 2022 in seinem Amt und kam gut gelaunt und in Tracht zu uns zum Interview.

 

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:

Was ist die Rolle von einem Gauverband im Allgemeinen und in Bezug auf die einzelnen Trachtenvereine im Gau?
Der Gauverband ist der Dachverband der angeschlossenen Trachtenvereine. Bei uns im Chiemgau Alpenverband haben wir 23 Vereine, überwiegend aus dem Prien- und Achental mit ein paar Ausreißern wie Amerang, nördlich vom ChiemseeDer Chiemsee ist der größte See Bayerns und wird oft als „Bayerisches Meer“ bezeichnet. Er liegt im Chiemgau und ist ein beliebtes Ziel für Badegäste, Wassersportler und Ausflügler. und einem Trachtenverein auch in München.

Was macht so ein Gauverband? Wir sind Dienstleister für unsere Vereine und unterstützen sie bei der Organisation und sind auch Bindeglied zum Bayerischen Trachtenverband, der die nächsthöhere Instanz ist. Im Bayerischen Trachtenverband sind 22 Gauverbände zusammengeschlossen. Wir vernetzen uns auch mit der Politik auf Kreis- und Landtagsebene und vertreten dort die Interessen unserer Trachtler.

Wie wächst man in so eine ehrenamtliche Rolle rein?
Mein Großvater war im Trachtenverein und auch mein Vater. Es gab keine Verpflichtung, aber für mich war immer klar, dass ich dabei sein wollte. Schon als kleiner Bub war es eine Ehre, beim Gautrachtenfest mitgehen zu dürfen. Da wächst man dann so rein, durchläuft die Kinder- und Jugendgruppen und ist dann bei den Aktiven. Dann kommen die ersten Posten wie Vorplattler und dann war ich für viele Jahre Musikwart bei uns im Verein. Nach dem Gaufest in der Feldwies 2006 hat mich der damalige Gauvorstand, der Entfellner Luck aus UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten. gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, im Gauausschuss mitzumachen. So lange bin ich schon dabei und habe 2022 dann die Nachfolge vom letzten Vorstand, dem Huber Miche aus Rottau nach der Wahl angetreten.

Was macht dieses Fest in diesem besonderen Jahr einzigartig für den Verband und für die Region?
Wir feiern heuer 100 Jahre Chiemgau Alpenverband, denn unser Gauverband ist 1926 in Marquartstein im Gasthof Hofwirth gegründet worden. Die Marquartsteiner bewerben das mit ‚Gaufest dahoam‘. Diesmal ist es tatsächlich ein ‚Gaufest dahoam‘, weil Marquartstein die Wiege des Chiemgau Alpenverband ist. Das letzte Gaufest in Marquartstein war 1996 – also vor 30 Jahren und alle freuen sich darauf.
Über so ein Fest redet ein Ort mindestens schon ein Jahr im Vorfeld.
Es ist eine Herausforderung und auch ein Kraftakt, so ein großes Fest zu stemmen, aber ich weiß, das läuft sehr gut. Es schweißt so einen Verein auch zusammen und oft kommen unerwartet noch Helfer von außen dazu, die bei der großen Trachtenfamilie dabei sein wollen. Wir alle freuen uns schon sehr darauf.

Was ist abseits des Gaufestes Marquartstein sonst noch geplant an Aktivitäten zum 100-jährigen Bestehen des Chiemgau Alpenverbandes?
Wir waren uns im Vorstand einig, dass das Gaufest 2026 vor allem ein Marquartsteiner Gaufest sein wird mit weniger Fokus auf das 100-jährige Jubiläum. Wir werden unsere Jubiläums-Veranstaltungen eher auf das Frühjahr und den Herbst verteilen. Los ging es im Januar 2026 in Marquartstein mit einer Gedenkandacht in der Marquartsteiner Kirche und einem Gebet am Grab des Gründungsvorstandes Schrobenhauser mit anschließender Hoagascht im Gasthof Hofwirth. Die Gründungvereine, die dabei waren, haben auch eine Urkunde zum 100-jährigen Jubiläum erhalten. Das war der Auftakt unseres Jubiläumsjahrs und seitdem geht es Schlag auf Schlag. Mitte März haben wir den zweiten Band unserer Gauchronik präsentiert, in dem viel Arbeit unserer 23 Vereine steckt.


Das Buch ist zum Preis von 26 € im ausgewählten Handel erhältlich und lohnt sich unbedingt für alle Trachtenfreunde unter den Einheimischen und Gästen.

Im Mai 2026 haben wir noch Fernsehaufzeichnungen mit dem BR, und im September sind wir als Gauverband beim Oktoberfestumzug in München dabei.

Was dürfen die Besucherinnen und Besucher beim Gaufest 2026 erwarten? Gibt es besondere Programmpunkte oder Überraschungen, auf die du besonders stolz bist?
Das Programm ist veröffentlicht und jede Veranstaltung lohnt einen Besuch. Der Bieranstich hat sich gut entwickelt und ist mittlerweile einer der Höhepunkte. Dann unsere Gauwettbewerbe wie das Gau-Dirndldrahn und Gau-Preisplatteln.
Kulinarisch ist einiges geboten. Es gibt auch hervorragende Kuchen, alle selbstgebacken von den Trachtenfrauen. Ein Höhepunkt ist am ersten Samstag der Gauheimatabend. Der Sonntag ist unser Höhepunkt im Trachtenjahr mit dem Gottesdienst am Musikpavillon und dem anschließenden Festumzug mit über 4000 aktiven Teilnehmern durch Marquartstein. An diesem Festtag rücken vier Generationen zusammen aus. Wir sind zwar nicht der größte Gauverband, aber eine große Trachtenfamilie, in der sich fast jeder kennt.

Welche Rolle spielt der Chiemgau Alpenverband heute – 100 Jahre nach seiner Gründung – im Achental?
Wir beobachten, dass die Trachtenbewegung seit einigen Jahren einen Aufschwung erlebt. Das freut uns sehr, denn über das Zusammensein im Trachtenverein leben wir ja auch gemeinsam die Brauchtumspflege. Zum Beispiel binden die Kinder nächste Woche Palmbuschen für Palmsonntag oder führen zu Weihnachten ein Hirtenspiel auf. Tracht, Brauchtum und Kirche sind bei uns in der Region eng miteinander verwoben. Kinder und Jugendliche bekommen im Verein ein Gespür für Tracht, die ja kein Kostüm ist. Tracht muss man leben.
Das Chiemgauer Lebensgefühl zu vermitteln ist neben der Tracht- und Brauchtumspflege die Hauptaufgabe unserer Trachtenvereine.
Es läuft im Hintergrund auch viel Jugendarbeit und jeder Verein wird bestätigen, dass es gerade für Kinder und Jugendliche ganz wichtig ist, soziale Bindungen in einem Verein zu stärken.

Auf was freust Du dich persönlich besonders beim Gaufest 2026?
Auf einen Gaufestsonntag bei 22 Grad, Sonnenschein, viel Trachtlern und ein richtig schönes Gaufest. Das Wetter wird schön werden – der Herrgott muss ein Trachtler sein.

Was bedeutet für Dich Heimat?
Heimat ist für mich die Gegend, wo ich daheim bin. In meinem Fall der Chiemgau und der Chiemsee. Ich möchte nirgendwo anders sein.

Was ist für Dich „Typisch Achental und Chiemgau“?
Die Ache geht ja bis zum Chiemsee, also sind wir Chiemseer auch Achentaler.
Das Zusammenspiel von Wasser und Bergen in eine wunderschöne Landschaft eingebettet, das ist schon sehr besonders. Wenn ich beim Angeln auf dem Chiemsee bin und schaue Richtung Berge ins Achental, dann ist das ein faszinierendes Bild, was kaum irgendwo schöner zu finden ist.

 Wo ist Dein Lieblingsplatz im Chiemgau und warum?
Ich bin gern bei uns am Chiemseeufer. Mein zweiter Lieblingsplatz ist das Schnappenkircherl. Man schaut von dort auf der einen Seite bis zum Kaiser und dann auch bis zum Chiemsee. Es ist ein Kraftort. Tatsächlich gibt es bei uns einige dieser Kraftorte wie in Raiten der Kirchbichl, oder am Westerbuchberg das Kircherl. Die haben damals schon gewusst, warum sie die Kirchen an solchen Plätzen gebaut haben.

 Welches ist dein liebster Brauch? Welche ist deine liebste Tradition?
Tracht und Brauchtum sind ganz eng verbunden – oft mit religiösem Hintergrund. Der ganze Jahreslauf aller Anlässe ist für mich der liebste Brauch.

Was ist ein perfekter Tag für dich im Chiemgau?
Der Gaufestsonntag bei Sonne mit unserer ganzen Trachtenfamilie ist für mich der schönste Tag.

Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Das eine Lieblingswort habe ich nicht. Interessant finde ich ‚zlexn‘. Ein Fass kann ‚zlext‘ sein (undicht).  Aber auch eine Gefühlsregung kann ‚zlext‘ sein:  „Ich bin total ‚zlexn‘ – ich bin kaputt, müde.

Und:  Habe die Ehre – diese Ehrerbietung ist ja was ganz Tiefsinniges. Das mag ich auch gerne.

Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst?
Unter dem Jahr Weißwurst. In der Adventszeit muss es eine Bosna sein.

Leberknödel oder Spinatknödel?
Leberknödel, aber nur die ausgebackenen.

Schweinsbraten oder Chiemseerenke?
Am liebsten Schweinsbraten – Chiemseerenke nur als Steckerlfisch.

Berggehen oder Bergradeln? Berggehen

Berggipfel oder Bergsee? Am liebsten Oim.

Alpinski oder Nordicski?
Alpinski schon lange nicht mehr. Nordic Ski immer weniger.

Was ist Dein Lebensmotto?
Wo Tracht drauf steht, muss auch Tracht drin sein.