Heiraten im Achental: Hochzeitsbräuche zwischen Tradition und heute
Wenn im Frühling im Achental die Natur wieder zum Leben erwacht, beginnt auch die Zeit der Hochzeiten. In MarquartsteinMarquartstein ist ein Luftkurort im Achental und ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, Bergtouren und Naturerlebnisse., Schleching, Staudach-Egerndach und UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten. geben sich jedes Jahr viele Paare das Ja-Wort, mal im kleinen Kreis, mal mit großem Fest. Was viele dieser Feiern verbindet: Bräuche und Traditionen, die bis heute Teil der Hochzeitskultur im Chiemgau sind.
Bis heute zeigt sich im Achental eine besondere Mischung: traditionelle Elemente treffen auf individuelle Gestaltung. Genau das macht Hochzeiten hier so vielfältig und oft auch ein Stück weit gemeinschaftlich.
Der Hochzeitsmorgen im Dorf
Früher begann der Hochzeitstag oft schon in den frühen Morgenstunden. Freunde, Nachbarn oder Vereine kamen vorbei, um das Brautpaar zu wecken oder den Tag gemeinsam einzuläuten.
Ein bekannter Brauch ist das sogenannte Hochzeitsschießen: Böllerschützen oder Freunde geben dabei einige Schüsse ab und machen im Ort hörbar, dass heute geheiratet wird. Gleichzeitig gilt das als Glückszeichen für das Brautpaar.
Ebenfalls verbreitet war ein mit Daxn und Blumen geschmückter Rahmen an der Haustür des Brautpaars. Dieser wurde am Hochzeitsmorgen abgenommen und traditionell verbrannt.
Der Hochzeitslader
Der Hochzeitslader gehört zu den bekanntesten Hochzeitsbräuchen im ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl…. Früher zog er von Haus zu Haus und lud die Gäste persönlich zur Hochzeit ein, oft mit Reimen, Sprüchen oder Gstanzln. Dabei war der Hochzeitslader nicht nur Überbringer der Einladung, sondern auch wichtiger Begleiter des Brautpaars.
Auch am Hochzeitstag selbst hatte er eine besondere Aufgabe: Er führte durch das Programm, koordinierte Abläufe und achtete darauf, dass die verschiedenen Bräuche und Traditionen ihren Platz im Fest fanden.
Heute übernehmen viele dieser Aufgaben die Trauzeugen. Bei traditionellen Hochzeiten im Achental ist der Hochzeitslader aber bis heute oft fester Bestandteil der Feier und trägt mit seinem geschmückten Stecken und seiner besonderen Rolle zur festlichen Atmosphäre bei.
Feiern in Tracht
Das Kranzlpaar
Das sogenannte Kranzlpaar begleitet das Brautpaar traditionell durch den gesamten Hochzeitstag. Dabei handelt es sich meist um ein unverheiratetes Paar aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, das bei vielen Programmpunkten eng eingebunden ist.
Das Kranzlpaar unterstützt bei organisatorischen Aufgaben, begleitet das Brautpaar bei Bräuchen und Tänzen und hilft dabei, dass der Tag reibungslos abläuft. Gerade bei traditionellen Hochzeiten im Achental gehört das Kranzlpaar oft ganz selbstverständlich dazu und ist ein wichtiger Teil der Feierlichkeiten.
Brautverziagn – das Brautstehlen
Ein Brauch, der auch heute noch regelmäßig vorkommt: Freunde „entführen“ die Braut kurzzeitig in eine Wirtschaft oder an einen anderen Ort im Dorf. Der Bräutigam macht sich auf die Suche, meist endet alles in geselliger Runde.
Oft wird auch der Brautstrauß gestohlen. Wer ihn hat, darf die Entführung organisieren.
Scheitlknien
Hier ist der Bräutigam gefragt: Auf einem Holzscheit kniend muss er kleine Aufgaben erfüllen, Fragen beantworten oder Kosenamen nennen. Ein spielerischer Brauch, der für viele Lacher sorgt.
Die Hochzeitssuppe salzen
Auch die Hochzeitssuppe gehört bei vielen Feiern im Chiemgau traditionell mit dazu. Ein besonderer Brauch dabei ist das gemeinsame Salzen der Suppe: Die Braut würzt sie zusammen mit ihrer Mutter und der Ehrenmutter. Früher sollte damit augenzwinkernd gezeigt werden, ob die Braut kochen kann. Heute steht dabei vor allem der gemeinsame Moment und die Tradition im Mittelpunkt. Oft begleitet von guter Stimmung und neugierigen Blicken der Hochzeitsgäste.
Das Anschneiden der Hochzeitstorte
Das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte gehört auch bei Hochzeiten im Achental zu den festen Traditionen. Braut und Bräutigam setzen dabei gemeinsam das Messer an und schneiden das erste Stück der Torte an.
Oft wird dabei genau beobachtet, wer die Hand oben hat – denn augenzwinkernd heißt es, diese Person habe später zuhause das Sagen. Nach dem Anschnitt wird die Hochzeitstorte gemeinsam mit Familie, Freunden und Gästen genossen und bildet meist einen besonderen Moment während der Feier.
Das Aufkranzen
Ein besonderer Brauch bei traditionellen Hochzeiten im Achental ist das sogenannte Aufkranzen. Bevor es nach dem letzten Tanz in die Weinstube geht, suchen sich die Dirndl jeweils einen Hochzeitsbuam aus und ziehen gemeinsam weiter.
Dort laden die Buam ihre Begleitung auf ein Getränk ein. Nach einiger Zeit verlassen die Dirndl die Weinstube wieder, allerdings nicht ohne die Hüte der Buam mitzunehmen. Diese werden anschließend mit Tabakwaren, Süßigkeiten und kleinen Aufmerksamkeiten geschmückt. Der Kranz dafür wird meist schon im Vorfeld vorbereitet.
Begleitet von der Musi ziehen die Dirndl später wieder in die Weinstube ein, setzen den Buam die geschmückten Hüte auf und überreichen sie feierlich zurück. Danach folgt traditionell ein gemeinsamer Ehrentanz.
Die Ehrentänze
Zu späterer Stunde folgen bei vielen traditionellen Hochzeiten im Achental die Ehrentänze. Dabei tanzen nicht nur Braut und Bräutigam, sondern auch die Braut mit dem Hochzeitslader, den Brauteltern oder weiteren wichtigen Begleitpersonen des Tages.
Nach einigen Takten Musik geht der Hochzeitslader mit seinem Hut durch die Reihen und sammelt Spenden ein. Erst danach wird weitergetanzt.
Für die Ehrentänze richtet man sich noch einmal besonders her: Das Gewand wird ordentlich hergerichtet, die Männer ziehen wieder ihre Jacken an und auch Dirndl und Tracht sitzen wieder perfekt. Gerade dieser feierliche Teil zeigt, welchen Stellenwert Tradition und Gemeinschaft bei Hochzeiten im Achental bis heute haben.
Das Rausspiun
Mit dem sogenannten Rausspiun endet bei vielen traditionellen Hochzeiten im Achental die Feier. Das Brautpaar tanzt noch einmal gemeinsam einen letzten Tanz, bevor es von der Musi feierlich hinausbegleitet wird.
Anschließend verabschieden sich Familie, Freunde und Gäste vom Brautpaar und wünschen ihm eine gute Nacht. Das Rausspiun bildet damit einen stimmungsvollen Abschluss des Hochzeitstages, oft ruhig, herzlich und voller besonderer Momente.
Heiraten im Achental heute
Heute gestaltet jedes Paar seine Hochzeit individuell. Manche Bräuche werden bewusst aufgegriffen, andere entstehen spontan aus dem Freundeskreis heraus.
Typisch für das Achental ist dabei der enge Bezug zum Ort: gefeiert wird oft in Gasthöfen, begleitet von regionaler Musik, Vereinen und Menschen aus dem Umfeld. In den Orten kennt man sich und genau das prägt viele Hochzeiten.
Freunde, Familie und Nachbarn helfen mit, organisieren Programmpunkte oder überraschen das Brautpaar mit eigenen Ideen. So entsteht oft eine Feier, die nicht nur das Paar, sondern auch das Miteinander im Ort widerspiegelt.
Wenn im Achental Hochzeitssaison ist
Mit dem Start in den Mai beginnt im Achental die Hochzeitssaison. Zwischen Bergen, Wiesen und entlang der Tiroler Ache entstehen jedes Jahr neue Geschichten.
Und manchmal werden dabei auch alte Bräuche wieder lebendig – ganz selbstverständlich und oft ein bisschen anders als früher.
Fotos: Michaela Rosenwink




















