Auf a Wort im Achental Podcast

Auf a Wort im Achental mit Edith Schmid und Vroni Huber

Heimat ist für mich vor allem unser schöner Dialekt.

Edith Schmid, 25 Jahre alt aus Marquartstein und Vroni Huber, 19 Jahre alt aus Bernau sind Kaminkehrerinnen von Beruf und beste Freundinnen.

Zum Jahresanfang 2026 haben wir die Beiden im Rahmen unserer ‚Auf a Wort im Achental‘ Reihe interviewt. Man sagt ja, Kaminkehrer bringen Glück. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern sowie allen Zuhörerinnen und Zuhörern somit doppeltes Glück zum Jahresanfang 2026.

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:

Wie seid ihr eigentlich dazu gekommen, Kaminkehrerinnen zu werden?
Edith
: Ursprünglich wollte ich was Soziales machen wie z.B. den Beruf der Krankenschwester. Dann hat mir das doch nicht so gut getaugt und ich habe über Bekannte im Rahmen eines Praktikums in den Beruf der Kaminkehrerinnen reinschnuppern können. Das war das allerschönste Praktikum, obwohl ich mir vorher nicht hätte vorstellen können, das auszuüben.

Vroni: Ich bin über einen Bekannten nach meiner ersten Lehre als Hotelfachfrau dazugekommen. Ich wollte in jedem Fall noch ein Handwerk lernen, tatsächlich das Maurerhandwerk. Der Bekannte hat mir das dann ausgeredet und empfohlen ein Praktikum als Kaminkehrerin zu machen. Ich dachte erst, das ist sicher nichts für mich. Doch ich bin dabeigeblieben und jetzt bereits begeistert im 2. Lehrjahr.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus und was mögen die Leute am meisten, wenn ihr auftaucht?
Edith: Mein Arbeitstag fängt ca. 6.30 Uhr an, dann fahre ich zur ersten Kundschaft. Anschließend fahre ich weitere Termine ab, die ich vorab ausgemacht habe. Das erfordert gewisse Vorbereitungen für beide Seiten, deswegen müssen unsere Kunden vorab Bescheid wissen. Meine Aufgaben umfassen die klassischen Kaminkehrer-Tätigkeiten wie Abgasmessungen, Abgaswegeüberprüfungen an Gas- und Ölfeuerstätten sowie Öfen, Heizungsanlagen, Kamine und Rohre kehren und Dunstanlagen überprüfen.
Ich arbeite im Kehrbezirk Übersee (mit Adressen in Grabenstätt und Mietenkam.)
Die Leute haben es gerne, wenn man den Arbeitsplatz wieder ordentlich und sauber verlässt, pünktlich und ‚schee freindlich‘ ist.

Vroni: Mein Arbeitsalltag schaut tatsächlich identisch aus, nur dass ich wegen des längeren Arbeitsweges bereits um 6 Uhr losfahre und gegen 7 Uhr bei der ersten Kundschaft bin.
Weitere Tätigkeiten, die wir anbieten sind Kachelöfenmessungen und Energieberatung.
Die Menschen freuen sich sehr, wenn eine Kaminkehrerin vor ihrer Tür steht. Ich werde auch immer zu den etwas schwierigeren Kunden geschickt, weil ich mit denen meisten gut umgehen kann. Ich arbeite im Kehrbezirk Schechen, Landkreis Rosenheim.

Man sagt, Kaminkehrer bringen Glück. Erlebt ihr das manchmal, dass Leute sich etwas wünschen? Gibt es da eine Tradition?
Vroni
: Die Tradition kommt daher, dass früher in den Häusern, wenn recht viel eingeheizt wurde, die Kamine rußig wurden und es zu einem Kaminbrand kommen konnte. Deswegen waren wir immer schon gerne gesehen, da unsere Arbeit Schlimmes verhindern kann.

Edith: Heute gibt es präzise Verordnungen, wie oft Kaminkehrer kommen müssen. Früher sind Kaminkehrer einfach durch die Dörfer gezogen und haben gefragt, ob sie kehren dürfen. Dann sind sie immer herzlich willkommen gewesen, weil die Menschen früher viel mehr mit Holz geheizt haben und froh waren, dass es nicht zu Kaminbränden gekommen ist. D.h, wenn der Kaminkehrer regelmäßig die Kamine sauber gemacht hat, kam es weniger zu Bränden. So kam es dazu, dass man gesagt hat, die Kaminkehrer bringen Glück.
Heute ist es so, dass man an unseren goldenen Knöpfen drehen soll und das einem Glück bringt. Manchmal wollen einen auch Menschen umarmen und wünschen sich, dass wir ihnen Glück übergeben. Das ist so schön.

Wie ist es, in einem eher traditionellen Handwerksberuf als junge Frau zu arbeiten?
Vroni:
Es ist einfach schön, wenn man zur Kundschaft kommt und sie freuen sich, dass eine Kaminkehrerin vor der Tür steht. Viele erleben zum ersten Mal eine Frau, die unseren Beruf ausübt. Wir werden immer sehr freundlich und herzlich aufgenommen.

Was bedeutet euch euer Beruf und was wünscht ihr euch (und allen anderen) für das neue Jahr?
Edith:
Es war für mich die beste Entscheidung, dass ich in diesem Beruf eine Lehre absolviert habe, weil es ein Beruf ist, in dem ich selbstständig arbeiten kann. Du erlebst auch immer so viel Schönes und Emotionales, denn wir platzen ja direkt in das Leben der Leute. Jeder Tag ist wie ein Abenteuer und nie langweilig. Ich liebe meine Arbeit und ich kriege auch so viel mit von der Natur hier im Achental. Du bist bei Wind und Wetter draußen, erlebst die Jahreszeiten und bist immer aktiv.

Vroni: Was man am besten sieht vom Dach ist der Wechsel der Jahreszeiten und andere Naturphänomene. Was ich mir wünsche für mich und alle Kollegen: Dass uns nichts passiert, dass wir nicht vom Dach fallen und das wir alle gesund bleiben.

Edith: Ich wünsche mir, dass wir alle ein gutes Miteinander haben, dass wir alle gut miteinander umgehen, freundlich und offen sind. Und natürlich Glück und Zufriedenheit.

Was bedeutet für Euch Heimat?
Edith:
Heimat ist für mich unser schöner Dialekt. Ich liebe einfach unseren Dialekt, weil er so einfach ist und so viel dahintersteckt. Und natürlich auch unsere Natur, die alles bietet von den Bergen, zu den Seen, den Wäldern und den Mooren. Es ist alles da. Und wenn ich dann die Kühe höre und es riecht im Sommer nach frisch gemähtem Gras und ich laufe barfuß – das ist einfach Heimat.

Was ist für dich, liebe Edith „Typisch Achental“?
Das ist vor allem die Ache. Was gibt es Schöneres, wenn es im Sommer sehr heiß ist, und du fährst mit den Inlinern an die Ache und legst dich dahin. Ich mag auch, dass sich jeder hier kennt und grüßt. Das ist auch typisch Achental für mich.

Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Edith:
Das ist an der Ache, wo es zum Osterbuchberg geht. Da fühle ich mich so wohl, höre nur das Rauschen des Wassers, gehe barfuß rein und genieße die Natur.

Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Vroni
: Zum Jahresende gibt es in Traunstein die Aktion der Glückswünsche. Dort werden von uns Spenden gesammelt für wohltätige Zwecke. Das ist eine sehr wichtige Tradition, die auch mit unserem Beruf zu tun hat. Der Termin ist der 27. Dezember in Traunstein.

Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental und im Chiemgau?
Edith:
Im Sommer in der Früh um 7 Uhr am Tüttensee in Grabenstätt zum Schwimmen gehen und dort nur freundliche Menschen zu treffen. Eine Tasse Kaffee am See dann, besser kann der Tag nicht los gehen.

Vroni: Ich wohne am Berg oben und wenn ich morgens vor die Tür gehe und höre das Vogelzwitschern, die Kühe und die Glocken, das ist einfach schön. Im Sommer gehe ich gern zum Taubensee hoch, das ist einfach ‚bärig‘.

Welches ist euer bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Edith:
Unser Dialekt ist von Haus aus so schön, dass es gar nicht so einfach ist, das eine Wort hervorzuheben. Ich mag aber gerne das Wort ‚aschling‘: ‚Fahrst amoi aschling‘ heißt: Du sollst mal rückwärts fahren.

Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst?
Bosna (beide)
Leberknödel oder Spinatknödel? Beides (beide)
Schweinsbraten oder Chiemseerenke?
Schweinsbraten (beide)

Berggehen oder Bergradeln? Berggehen (beide)

Berggipfel oder Bergsee?
Vroni:
Gipfel ist schön, dass man sieht, was man erreicht hat.
Bergsee ist der Platz, wo ich länger bleiben möchte zum Genießen
Edith: Da stimme ich zu.

Alpinski oder Nordicski? Alpinski (beide)

Was ist euer Lebensmotto?
Vroni:
Geht ned, gibt’s ned.
Edith: Leben und leben lassen.

Wenn ihr dem Achental fürs neue Jahr etwas Glück wünschen dürftet, was wäre das?
Edith und Vroni:
A guads Miteinander für uns alle.