Auf a Wort im Achental Podcast

Auf a Wort mit Stefanie Wiesmann

Das Fliegen hat mich seit Kindheitstagen immer schon fasziniert. Die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten ist einfach bereichernd.

Seit Mai 2026 steht mit Stefanie Wiesmann erstmals eine Frau an der Spitze der Deutschen Alpensegelflugschule (DASSU) in UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten.. Die DASSU zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Ausbildungsstätten für alpinen Segelflug und ist weit über die Region hinaus ein Aushängeschild für das Achental. Gemeinsam mit dem neuen Vorstandsteam Toni Liedl und Johannes Weber, Erster Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen, möchte Stefanie Wiesmann die erfolgreiche Arbeit fortführen und die Flugschule fit machen für die Zukunft.

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:

Herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe, liebe Steffi. Du hast dich bewusst für das Amt der Vorsitzenden zur Wahl gestellt. Was hat dich dazu motiviert, Verantwortung für die DASSU zu übernehmen und worauf freust du dich?
Ich habe selbst vor vielen Jahren meine Flugausbildung hier am Flugplatz in Unterwössen gemacht. Ich finde, der Flugplatz hier im Achental ist ein besonders schöner Platz. Mir ist wichtig, dass wir den Platz, so wie er geschaffen ist, bewahren und dass wir die DASSU fit machen für die Zukunft. Das hat mich zusammen mit meinen Vorstandskollegen bewogen, hier in die Verantwortung zu gehen und gemeinsam den neuen Vorstand zu bilden und zu gestalten.

Du bist Gleitschirmfliegerin und hast eine Motorfluglizenz. Wie kam es zu deiner Begeisterung für das Fliegen?
Das Fliegen hat mich seit Kindheitstagen immer schon fasziniert. Das fing an beim Familienurlaub mit dem Flugzeug. Später habe ich mich damit auseinandergesetzt, welche Möglichkeiten es gibt, selbst zu fliegen und habe meine Motorflug-Ausbildung absolviert. Darüber bin ich heute sehr glücklich, denn so ein Perspektivwechsel und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten ist einfach bereichernd.

Was fasziniert Dich bis heute am Fliegen? Gibt es ein Erlebnis in der Luft, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt viele Erlebnisse, die einen prägen. Ob es der erste Alleinflug mit dem Motorsegler in der Ausbildung ist, oder mit dem Gleitschirm in der Thermik mit Vögeln zusammen zu kreisen, es kann eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug sein oder mit dem Gleitschirm in einen Motorsegler zu steigen und zum Gleitschirmfliegen an ein besonderes Ziel zu fliegen und dort abzuheben. Es sind viele Aspekte, die mich beeindrucken und auch geprägt haben. Es wird auch in der Zukunft noch viel zu erleben geben.

Die DASSU ist weit über Bayern hinaus bekannt und gehört zu Unterwössen wie die Berge. Was macht die Flugschule und das Fliegen im Achental aus Deiner Sicht so besonders?
Wir sind mit unserem Flugplatz weit über unsere Region hinaus bekannt. Bei uns im Achental ist die Alpenfliegerei sehr speziell. Wir sind von Bergen umgeben, das macht es auch anspruchsvoll und herausfordernd. Man lernt aufgrund dessen auch sehr fundiert das Fliegen. Wir haben hier sehr verlässliche Talwindsysteme, die es uns ermöglichen, ab nachmittags beim Einsetzen der Thermik Nordwind bei uns am Flugplatz zu genießen. Der Nordwind prallt an den Hang hinter unserem Flugplatz und ermöglicht es uns, im Aufwindband hin- und herzufliegen. Das ermöglicht unseren Schülern, auch mal länger in der Luft zu bleiben – raus aus dem normalen Platzrundenverkehr. So haben unsere Schüler bereits in der Ausbildung richtige Flugerlebnisse, die sie bei uns schon sehr früh sammeln können.

Viele Gäste beobachten im Sommer die lautlos am Himmel schwebenden Segelflugzeuge und überlegen vielleicht, ob das was für sie wäre.  Was würdest Du jemandem raten, der schon lange mit dem Gedanken spielt, selbst einmal abzuheben?
Ich kann jedem empfehlen, einfach mal bei uns vorbeizukommen und einen Schnupperflug mitzumachen. Das ist sowohl im Motorflugbereich, als auch im Segelflugbereich möglich. Kinder können auch schon mitfliegen, allerdings ist im Flugzeug nur Platz für zwei Personen, deshalb kann das Kind nur allein mit dem Fluglehrer fliegen. Jeder ist herzlich willkommen, ob zu einem Schnupperflug oder zur EinkehrRast in einer Hütte oder Gaststätte in unsere Flieger-Oim mit Biergarten, um dort dem Treiben zuzuschauen.

Was die Ausbildung zum Fliegen angeht: Wir haben die klassische Ausbildung zur Segelfluglizenz. Es ist dann auch möglich, entweder weiterzumachen mit einer Motorseglerausbildung oder diese Lizenz von Grund auf zu erlernen. Dann gibt es noch die Ausbildung zum Fliegen von Ultraleichtflugzeugen und darüber hinaus haben wir in den Wintermonaten noch diverse Theorieangebote im Programm.  Dreimal im Jahr bieten wir auch Fluglehrer-Lehrgänge an, d.h., wir bilden bei uns auch angehende Fluglehrer aus.

Du übernimmst den Vorsitz in einem Verein mit großer Tradition. Wie möchtest Du der DASSU Deine persönliche Handschrift geben, ohne Bewährtes aus den Augen zu verlieren?
Zunächst einmal schauen wir auch nochmal zurück und reflektieren, was unsere Vorgänger in der Vergangenheit für die DASSU erreicht haben. Da sind Meilensteine entstanden, die von großem Wert sind. Was gut funktioniert und etabliert ist, wollen wir bewahren. Mir ist aber auch wichtig, dass wir mit dem Fortschritt der Technik die DASSU fit machen für die Zukunft. Wir sind noch in der Findung von neuen Angeboten und werden nach der Hauptsaison konzeptionell in eine neue Phase gehen und uns Gedanken um das Jahr 2027 machen.

Was bedeutet für Dich Heimat?
Heimat bedeutet für mich, einen Ort zum Wohlfühlen zu haben.

Was ist für dich „Typisch Achental“?
Für mich typisch Achental ist das Leben im Einklang mit der Natur, unsere Umwelt und unsere Berge um uns herum.

Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Mein Lieblingsplatz im Achental ist auf dem Berg. Das ist kein bestimmter Berg, da jeder Berg eine andere Perspektive bietet und seine Besonderheiten mit sich bringt.

Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Eine Lieblingstradition habe ich nicht. Ich bin auch nicht so der Brauchtumsmensch. Was ich aber sehr schön finde sind sämtliche Feste, die wir im Ort haben, wo sich viele Ehrenamtliche engagieren und viel Mühe geben, um eine Plattform zu schaffen, um gemeinsam einen gute Zeit zu haben.

Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental?
Der perfekter Tag ist für mich mit lieben Menschen auf einen Berg zu wandern, wie zum Beispiel den Hochgern oder den Rechenberg. Dort oben eine schöne Zeit zu verbringen, vielleicht mit dem Gleitschirm runterzufliegen und anschließend am Wössner See noch was Gutes essen zu gehen.

Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Mein bayerisches Lieblingswort ist ‚fei‘. ‚Fei‘ ist für mich das schönste bayerische Füllwort. Es passt immer und in jeden Satz. Es ist oft auch überflüssig, aber jeder verwendet es.

Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst?
Kaspressknödel                         

Leberknödel oder Spinatknödel? Spinatknödel          

Scgweinsbraten oder Chiemseerenke? Chiemseerenke

Berggehen oder Bergradeln? Berggehen

Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel

Alpinski oder Nordicski? Nordicski

Was ist Dein Lebensmotto?
Neue Perspektiven entstehen, wenn man den Mut hat, neue Wege zu gehen.