Kunst im Achental

ein Streifzug durch Kunst und Natur

Wer im Achental unterwegs ist, begegnet Kunst manchmal ganz unverhofft: auf einem Dorfplatz, an einem Bach oder vor einer Kirche. Skulpturen, Brunnen, Malereien und Installationen sind Teil der Orte und der Landschaft und erzählen von den Menschen, die hier leben und arbeiten.

Viele der Werke stammen von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Achental. Die heimische Natur ist für sie Inspirationsquelle, Arbeitsraum und manchmal sogar Ausstellungsort. Holz, Bronze, Beton oder Farbe werden zu Werken, die sich mit der Landschaft, mit Menschen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

So lässt sich Kunst im Achental ganz nebenbei entdecken. Bei einem Spaziergang durch die Dörfer ebenso wie unterwegs in der Natur. Unsere Karte zeigt dir, wo du Kunstwerke, Ateliers und besondere Kunstorte findest und wer hinter ihnen steckt.





Andreas Kuhnlein: Der Mensch im Mittelpunkt

Der Bildhauer Andreas Kuhnlein ist im Achental geboren und lebt und arbeitet im Unterwössner Ortsteil Kruchenhausen. Weit über die Region hinaus ist er für seine ausdrucksstarken Holzskulpturen bekannt. Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist meist der menschliche Körper, den er mit der Motorsäge bearbeitet und dabei bewusst aufbricht und zerklüftet.

Holz ist für Kuhnlein dabei mehr als ein Werkstoff. Jahresringe, Risse und Spuren erzählen von Wachstum und Vergänglichkeit und werden Teil seiner Figuren. Wie eng für ihn Material und menschliches Leben miteinander verbunden sind, beschreibt er auch im Gespräch mit dem Achental Tourismus: „Für meine zerklüfteten Skulpturen eignet sich das Material Holz am besten, weil der Stamm mit seinen Jahresringen das Leben ebenso speichert, wie das menschliche Antlitz.“

Im Achental begegnet man Kuhnleins Kunst an verschiedenen Orten. In UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten. stammen unter anderem der Rathausbrunnen und der Andachtsraum in der Pfarrkirche St. Martin von ihm. Seine Werke zeigen eindrucksvoll, wie eng zeitgenössische Kunst und die Region miteinander verbunden sein können.

Moni Stein: Kunst im Dialog mit der Natur

Moni Stein lebt in Hinterwössen und arbeitet in ihrem Atelier in Brem bei Oberwössen. Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Malerei, Skulptur und Installation. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Viele ihrer Arbeiten entstehen mit Blick auf den Ort, an dem sie später zu sehen sind. Kunst soll für Moni Stein nicht einfach in einer Landschaft stehen, sondern mit ihrer Umgebung in Verbindung treten. „Mir ist wichtig, dass meine Skulpturen nicht einfach irgendwo stehen, sondern dass sie in Resonanz gehen mit dem Ort, an dem sie sind“, erzählt sie im Interview mit dem Achental Tourismus. Deshalb begegnet man ihren Werken nicht nur in den Ortschaften, sondern auch draußen in der Natur.

Im Achental sind ihre Arbeiten an ganz unterschiedlichen Plätzen zu entdecken. Am Alten Bad in Unterwössen stehen beispielsweise mehrere ihrer Werke, an der Schule in Oberwössen ist der „Bücherfreund“ zu finden und mitten im Moor die “Filzenfee”. Einige ihrer Arbeiten sind zudem Teil des Europäischen Skulpturenwegs und verbinden das Achental künstlerisch mit anderen Orten in Europa.

Carsten Lewerentz: Skulptur und Begegnung

Der Bildhauer Carsten Lewerentz lebt und arbeitet in Staudach-Egerndach. Für seine Plastiken verwendet er unterschiedliche Materialien wie Holz, Beton und Bronze. Dabei entstehen Arbeiten mit einer ganz eigenen Formensprache, die sich mit Figur, Raum und Material auseinandersetzen.

Ein besonderer Kunstort ist sein Atelierhaus G2 in Staudach-Egerndach. In dem 1888 erbauten Haus unterhalb der historischen Steinbrüche zeigt Lewerentz nicht nur eigene Arbeiten. Auch Werke anderer Künstlerinnen und Künstler, zu denen eine persönliche oder künstlerische Verbindung besteht, finden hier ihren Platz. Wechselnde Sonderausstellungen richten den Blick immer wieder auf Kunst aus der Region und darüber hinaus.

Mit dem Künstlerfenster im Ortskern von Staudach-Egerndach hat Lewerentz außerdem einen kleinen Ausstellungsraum geschaffen, dessen Kunst von außen betrachtet werden kann. So wird Kunst auch außerhalb klassischer Galerieräume sichtbar und zu einem Teil des Ortes.

Christian Dögerl: Zwischen Tradition und Gegenwart

Der Bildhauer und Medailleur Christian Dögerl lebt und arbeitet in MarquartsteinMarquartstein ist ein Luftkurort im Achental und ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, Bergtouren und Naturerlebnisse.. Seine Kunst begegnet einem dort nicht nur im Atelier oder in Ausstellungen, sondern an vielen Stellen mitten im Ort. Seine Skulpturen greifen regionale Geschichten, historische Persönlichkeiten und traditionelle Motive auf und übersetzen sie in eine eigene bildhauerische Sprache.

Zu seinen bekannten Arbeiten in Marquartstein gehört der Ritter Marquart am Brunnen im Ortszentrum. Auch die Figur des heiligen Nepomuk sowie verschiedene Arbeiten im Märchen-Erlebnispark stammen von ihm. Auf dem Gelände der ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl…-Klinik ist außerdem seine Figurengruppe „Der richtige Weg“ zu sehen.

Damit prägt Christian Dögerl das Ortsbild von Marquartstein auf besondere Weise. Seine Werke machen Geschichte und Geschichten sichtbar und zeigen, wie selbstverständlich Kunst Teil eines Ortes und seines Alltags werden kann.

Mehr über Christian Dögerl und seine Arbeit erfährst du im Interview „Auf a Wort im Achental“.

Ein Blick nach oben: Kunst an Hauswänden

Wer im Achental unterwegs ist, sollte den Blick zwischendurch auch einmal nach oben richten. Denn Kunst begegnet einem hier nicht nur in Form von Skulpturen und Installationen. Auch an Hauswänden und Fassaden gibt es einiges zu entdecken.

Lüftlmalereien und Wandbilder erzählen von der Region, ihren Menschen und Geschichten. An der Ecke Frühlingsstraße/Hauptstraße in Unterwössen erzählt eine Lüftlmalerei des Unterwössner Künstlers Anton Blank (verstorben 2025) die Geschichte des Dorfladens Döllerer (heute Kaltschmied) und bewahrt die Erinnerung an den beliebten Künstler Toni Blank. Ein weiteres Beispiel findet sich am historischen Hofwirth zur Post in Marquartstein: Die Lüftlmalerei dort stammt von Siegfried Geierstanger, Restaurator und Lüftlmaler aus Ruhpolding, und macht die Fassade selbst zu einem Kunstwerk.

Es lohnt sich also, beim Spaziergang durch die Achentaler Dörfer genauer hinzusehen. Manches Kunstwerk entdeckt man erst auf den zweiten Blick.

Kunst erleben: Ateliers und Ausstellungen

Wer noch tiefer in die Kunst des Achentals eintauchen möchte, kann einigen Künstlerinnen und Künstlern auch dort begegnen, wo ihre Werke entstehen. Ateliers und kleine Ausstellungsräume geben Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen und zeigen neben bekannten Werken immer wieder Neues.

In Brem bei Oberwössen öffnet Moni Stein ihre Werkstatt mit Schauraum nach vorheriger Anmeldung für Besucher. In Staudach-Egerndach lädt Carsten Lewerentz mit dem Atelierfenster dazu ein, Kunst ganz unkompliziert von außen zu entdecken. Im Atelierhaus G2 zeigt er außerdem eigene Arbeiten sowie wechselnde Ausstellungen anderer Künstlerinnen und Künstler.

Auch temporäre Ausstellungen und Veranstaltungen bieten immer wieder Gelegenheit, Kunst aus dem Achental und der Region kennenzulernen. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich.

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