Auf a Wort im Achental Podcast

Auf a Wort im Achental mit Theresa Biller und Carina Mauracher

Wir engagieren uns ehrenamtlich für die Rehkitzrettung, weil uns die Tiere, die Natur und unsere Heimat sehr am Herzen liegen.

Theresa Biller aus Übersee hat den Verein ‚Rehkitzrettung Grabenstätt e.V. 2021 gegründet, ist 1. Vorsitzende des Vereins und aktive Jägerin. Carina Mauracher aus SchlechingSchleching ist eine Gemeinde im Achental und bekannt für ihre ursprüngliche Natur, traditionelle Bauweise und ruhige Lage. ist seit kurzem mit dabei. Ihr Mann ist Jäger bei der Gemeindejagd Schleching, und sie baut mit Unterstützung von Theresa das Team der Rehkitzrettung in Schleching, UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten. und Umgebung auf. Wir haben die beiden jungen Mütter in der Rehkitz-Saison 2026 zum Interview in der Tourist-Information im Alten Bad in Unterwössen getroffen.

Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:

Was genau macht die Rehkitzrettung? Warum ist eure Arbeit so wichtig?
Theresa:
Unsere Aufgabe ist es, Rehkitze und anderes Jungwild vor dem Mähtod zu schützen. In den ersten Lebenswochen haben die Rehkitze den sogenannten ‚Duck-Instinkt‘. Das heißt, bei Gefahr ducken sie sich ins hohe Gras und bleiben da ganz ruhig liegen. Deswegen werden sie beim Mähen oft nicht gesehen. Wir suchen die Wiesen mit Wärmebilddrohnen vorher ab und bringen die Kitze oder die Junghasen aus der Fläche, damit der Landwirt dann beruhigt mähen kann. Unser Verein besitzt mittlerweile fünf Wärmebilddrohnen. Wir sind ein Team aus aktuell 35 Ehrenamtlichen.

Welche Genehmigungen braucht es, um mit einer Kamera an einer Drohne fliegen zu dürfen? Was müsst ihr beachten?
Carina:
Wenn man eine Drohne mit einer Kamera fliegt, dann braucht man einen sogenannten Drohnenführerschein. Voraussetzung dafür ist eine Schulung mit einer abschließenden Prüfung. Nach bestandener Prüfung erhält man ein Zertifikat, das fünf Jahre gültig ist. Man muss sich an die gesetzlichen Vorgaben der Luftfahrtbehörde halten und die Drohne muss registriert und versichert sein. Uns ist das verantwortungsbewusste Fliegen sehr wichtig mit Rücksichtnahme auf Mensch, Tier und Natur.

Welches Investment müsst ihr bei der Anschaffung von Drohnen tätigen?
Theresa:
Wir haben uns heuer zwei neue Drohnen angeschafft, weil wir zwei ältere Modelle aussortieren mussten. Für die beiden neuen Drohnen hat sich der Anschaffungswert auf ca. € 15.000 belaufen.

Woher wisst ihr, wo die Rehkitze sich verstecken? Wie läuft so ein Einsatz am Morgen ab? Was passiert mit den geretteten Rehkitzen?
Theresa:
Rehe haben in der Regel zwei Kitze – manchmal nur eines. Selten Drillinge. Die Geißen legen ihre Kitze in den Wiesen im hohen Gras ab, weil sie dort durch das gepunktete Fell gut getarnt sind und somit unsichtbar für Fuchs, Greifvögel und Krähen. Die Landwirte rufen uns frühzeitig an, spätestens am Vortag und melden uns die Wiesen, in denen häufig Kitze liegen. Je nach Auftragslage treffen wir uns schon ganz in der Früh vor Sonnenaufgang und suchen die Wiesen mit den Drohnen systematisch ab. Wird ein Kitz entdeckt, nehmen es die Helfer vorsichtig auf und sichern es am Waldrand in Kisten. Das ist notwendig, weil die Kitze sonst zurück in die Wiesen laufen würden. Nach dem Mähen werden die Kitze entweder von uns, vom Jäger oder vom Landwirt wieder freigelassen und die Geiß holt sie dann ab.

Wie findet die Geiß ihre Rehkitze dann wieder?
Theresa:
Die Rehkitze und die Geiß verständigen sich durch Fieptöne, im Gegensatz zu den Hasen. Diese müssen exakt beim Fundort wieder platziert werden.

Nehmen die Geißen ihre Kitze dann wieder an?
Theresa: Wir achten generell darauf, dass wir so wenig wie möglich menschliche Witterung an das Tier bringen. D.h, wir nehmen es grundsätzlich nur mit Handschuhen und ganz viel Gras auf, halten es weit weg vom Körper, so dass kein Geruch übertragen wird, damit die Geiß ihre Kitze nicht verstößt.

Welche Gefahr besteht für die Rehkitze ohne die Rehkitzrettung?
Carina:
Den Kitze droht drastisch gesprochen der Mähtod. Es ist einfach so, dass die Kitze in den ersten Wochen kaum eine Chance haben, da sie in den ersten drei Lebenswochen nicht flüchten. Sie ducken sich dann einfach und das endet für die meisten Kitze tödlich oder mit grausamen Verletzungen. Der Fluchtinstinkt entwickelt sich erst nach 3 Wochen, und deswegen ist die Rehkitzrettung ein so wichtiger Beitrag zum Tier- und Naturschutz.

Wie alt sind die Kitze, die ihr rettet?
Theresa:
Wir haben schon frisch gesetzte Kitze, die noch nass von der Geburt sind. Diese nehmen wir nicht so gerne auf, da die Bindung zur Geiß noch nicht so gegeben ist. Dann nehmen wir Kontakt zum Landwirt auf, stecken den Bereich ab und der Landwirt mäht nach Möglichkeit um die markierte Stelle. Wir haben aber Rehkitze in allen Größen. Ab drei Wochen wird es nur schwierig, sie zu fangen. Dann hilft eigentlich nur noch, sie aus der Wiese aufzuscheuchen und sie so gut es geht zu vergrämen.

Warum haben die Landwirte und die Jäger ein Interesse daran, Rehkitze zu retten:
Theresa:
Ich muss kurz klarstellen, dass die rechtliche Lage so ist, dass es eine Straftat ist, ein Wildtier ohne vernünftigen Grund zu töten. Tötet also ein Landwirt ohne Vorsorgemaßnahmen ein Rehkitz durch das Mähwerk, ist das eine Straftat. Die Jäger haben insofern ein Interesse, weil sie eine Hegeverpflichtung haben. Sie betreiben durch die Rehkitzrettung aktiven Tierschutz.

Wie viele Rehkitze werden von eurem Verein in der Saison gerettet?
Theresa:
Wir decken das gesamte Gebiet von Siegsdorf bis Bernau ab und zukünftig auch vermehrt Schleching und Umgebung. Die Anzahl der geretteten Kitze ist jedes Jahr unterschiedlich und hängt ganz stark vom Wetter, von den Mähzeiten und der Anzahl der Einsätze ab. In unserem ersten Jahr 2022 haben wir in 50 Einsätzen 300 Hektar Wiesen abgeflogen und das jedes Jahr gesteigert, bis wir in der letzten Saison 2025 knapp 200 Einsätze mit über 1600 Hektar hatten.

Warum engagiert ihr euch ehrenamtlich für die Rehkitzrettung?
Carina:
Wir engagieren uns ehrenamtlich für die Rehkitzrettung, weil uns die Tiere, die Natur und unsere Heimat sehr am Herzen liegen. Es ist ein schönes Gefühl, dass man mit Teamarbeit ein kleines Tierleben retten kann. Somit ist das auch ein wichtiger Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt. Wir sind auch beide Mütter und wir wollen dieses Bewusstsein an unsere Kinder weitergeben. Unser Großer (5 Jahre alt) ist oft dabei und ist richtig beleidigt, wenn ich ihn in der Früh nicht wecke, wenn ich zum Einsatz gehe und er dann in den Kindergarten gehen ‚muss‘. Heute Abend haben wir einen Einsatz um 19 Uhr in Schleching und dann darf er mit.

Wie finanziert ihr euch?
Theresa:
Unsere Arbeit wird überwiegend durch Spenden finanziert und für die Anschaffung unserer neuen Drohnen erhalten wir dieses Jahr auch eine Förderung durch das Regionalbudget des Ökomodells Achental, das durch Bundes- und Landesmittel unterstützt wird.  

Was kostet euer Einsatz die Landwirte?
Theresa:
Unsere Einsätze sind für die Landwirte kostenlos. Wir arbeiten rein ehrenamtlich und auf Spendenbasis. Wir freuen uns aber immer über Spenden.

Unser Spendenkonto lautet:
DE 61 7105 2050 0040 8554 96

Carina: Man kann auch auf unserer Homepage (www.rehkitzrettung-grabenstätt.de) Mitglied werden und uns somit jährlich mit mindestens 15 € unterstützen.

Worauf sollten Einheimische und Gäste achten? Wann genau ist denn Rehkitzsaison?
Carina:
Die Hauptsaison, die sogenannte Brut- und Setzzeit dauert von Ende April bis Ende Juni. In diesen Wochen brauchen die Tiere einen besonderen Schutz und vor allem unsere Rücksicht. Es ist dann wichtig, dass man Hunde an die Leine nimmt in Wald und Flur, denn ein kurzer Jagdinstinkt kann für Jungwild schon tödlich enden. Für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer gilt, auf dem Weg zu bleiben und in der Dämmerung Wald- und Wiesenwege zu meiden. Ganz wichtig ist auch, wenn man wirklich ein verlassenes Rehkitz findet, dass man es nicht anfasst oder gar mitnimmt. Die Geiß ist meistens ganz in der Nähe und nimmt das Kitz wieder mit, wenn Ruhe eingekehrt ist. Wenn wir alle etwas aufmerksam sind und Rücksicht nehmen, dann können wir gemeinsam dazu beitragen, die Jungtiere in dieser sensiblen Zeit zu schützen.

Theresa: Wenn einem was ganz komisch vorkommt, dann macht es auch Sinn, dass man den Jagdpächter informiert.  Der kümmert sich dann darum. Den nächsten Jagdpächter erfährt man über die Gemeinden, die Landwirte in der Umgebung oder durch die Polizei. In jedem Fall: Das Kitz bitte nicht anfassen oder mitnehmen.

Was bedeutet für Euch Heimat?
Carina:
Wir sind uns da ziemlich einig, die Theresa und ich. Heimat ist für uns der Ort, an dem wir uns ganz tief verwurzelt fühlen. Heimat ist für uns auch die Verbindung mit unserer Landschaft: Die Berge, die Seen, aber auch die Menschen, die uns umgeben und das bayerische Brauchtum.

Was ist für dich „Typisch Achental“?
Carina:
Typisch Achental ist für mich die Tiroler Ache und die Landschaft, die sie umgibt. Die Ache sucht sich je nach Wasserstand immer ihren eigenen Weg. Sie ist so abwechslungsreich. Manchmal ist das typisch Achental und manchmal kommt man sich vor, also ob man ganz woanders wäre. In Schleching an der Ache unten kommt es mir manchmal vor, als sei ich in Alaska und gleich kommt ein Braunbär um die Ecke gelaufen.

Wo ist Euer Lieblingsplatz im Achental und warum?
Theresa:
Ich habe nicht den einen Lieblingsplatz im Achental. Einer meiner Lieblingsplätze ist definitiv der TaubenseeDer Taubensee ist ein idyllischer Bergsee in den Chiemgauer Alpen nahe der Grenze zu Tirol. Er ist ein beliebtes Ziel für Wanderungen., aber auch das Flussbett der Tiroler Ache ist wunderbar und unsere Almen und Berggipfel. Dort kann man einfach die Natur genießen.

Carina: Mein Lieblingsplatz ist in Schleching der Mühlbergweg. Da gehe ich gern – egal ob Frühjahr, wenn alles blüht oder im Herbst, wenn alles mit Laub bedeckt ist. Dort ist es einfach immer schön. Ich schaue auf den Ort und alles ist so ruhig. Jedes Mal, wenn ich dort gehe, denke ich mir: „Mei, ist bei uns schee.“

Welches ist euer liebster Brauch oder liebste Tradition?
Carina:
Mein Lieblingsbrauch ist tatsächlich der Palmsonntag. Ich bin als Kind schon mit meinen Eltern mit dem Palmbaum gegangen. Jetzt führe ich das mit meiner kleinen Familie fort – mit meinem Mann und den beiden Buben. Es ist einfach schön zu sehen, wie die Kinder so stolz sind, den Palmbaum zu tragen.

Was ist ein perfekter Tag für euch im Achental und im ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl…?
Carina:
Ich bin gebürtig aus Reit im Winkl und deshalb bin ich oft in der Ecke, auch wenn ich schon lange in Schleching wohne. Im Sommer bin ich sehr gerne beim Baden am Weitsee oder auf der Glapfalm, die meinen Eltern gehört. Sie liegt zwischen Oberwössen und Reit im Winkl. Da spielen die Kinder am Spielhaus oder am Brunnen. Vorne sind Geißen und Hennen. Wenn dann dort alle um mich herum sind, die mir wichtig sind, dann ist das ein perfekter Tag für mich.

Welches ist euer bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Theresa:
Ich habe kein direktes Lieblingswort. Ich mag alle Wörter, die man nicht direkt ins Hochdeutsche übersetzen kann. Also das kleine Wörtchen ‚fei‘, gfeit‘ oder ‚zammfloaschen‘, ‚grantig‘ oder ‚udey‘ – das sind alles so Begriffe, die finde ich schön.

‚Zammfloaschen‘ wird in Übersee viel verwendet und heißt so viel wie etwas zusammendrücken. ‚Udey‘ heißt unpraktisch.

Carina: Mein Lieblingswort ist die ‚Hallelujastaudn‘. Das ist ein Mundartwort aus Reit im Winkl für einen Christbaum, der nicht so schön gewachsen ist. Ein schiefer Christbaum.

Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:

Bosna oder Weißwurst?
Carina:         Weißwurst
Theresa:       Bosna

Leberknödel oder Spinatknödel?
Carina:         Gebackene Leberknödel von der Schwiegermama
Theresa:       Leberknödel

Schweinsbraten oder Chiemseerenke?
Carina:         Schweinsbraten
Theresa:       Schweinsbraten

Berggehen oder Bergradeln?
Carina:         Berggehen
Theresa:       Definitiv Berggehen

Berggipfel oder Bergsee?
Carina:         Bergsee
Theresa:       Berggipfel

Alpinski oder Nordicski?
Carina:         Alpinski
Theresa:       Am liebsten Aprés Ski. Ich bin keine Skifahrerin.

Was ist euer Lebensmotto?
Carina:
Einzigartig ist viel besser als perfekt. Jeder darf und soll einfach er selbst sein.

Theresa:
Mein Lebensmotto ist: Jeder ist sein Glückes Schmied. Natürlich ereignen sich im Leben immer unvorhersehbare Ereignisse. Es kommt aber immer darauf an, was man daraus macht.