Auf a Wort im Achental mit Karoline Widur
Karoline Widur aus MarquartsteinMarquartstein ist ein Luftkurort im Achental und ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen, Bergtouren und Naturerlebnisse. hat 2026 die Leitung des DAV Achental übernommen. Die traditionsreiche Sektion ist einer der ältesten Vereine im Landkreis Traunstein, zählt rund 2700 Mitglieder und engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für Bergsport, Naturschutz, Familien- und Jugendarbeit im Achental. Mit neuen Ideen und viel Begeisterung für die heimische Bergwelt möchte Karoline Widur den Verein in die Zukunft führen.
Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:
Was hat dich motiviert, den Vorsitz der DAV-Sektion Achental zu übernehmen und welche Ideen möchtest du zukünftig einbringen?
Meine Hauptmotivation war die Gemeinschaft mit den anderen Mitgliedern. Bevor ich den Vereinsvorsitz übernommen habe, habe ich nur an einigen Touren teilgenommen. Sonst wusste ich nicht viel über den Verein. Die Aktivitäten mit dem DAV waren solch energiespendende Erlebnisse, dass ich mich entschieden habe, dem Verein mehr Priorität in meinem Leben einzuräumen. Der Alpenverein ist eine wunderbare Plattform, um all das zu tun, was ich auch gerne mache: Sportlich aktiv sein und die Natur erkunden. Damit der Verein auch für alle Altersklassen leichter zugänglich wird, habe ich mir einiges vorgenommen, was ich umsetzen möchte.
Welche Aufgaben hat die DAV Sektion im Achental? Welche Aktivitäten bietet ihr an?
Das Gebiet der DAV-Sektion Achental erstreckt sich von SchlechingSchleching ist eine Gemeinde im Achental und bekannt für ihre ursprüngliche Natur, traditionelle Bauweise und ruhige Lage. bis Übersee. Wo die Ache ist, da sind auch wir. Man muss auch nicht im Achental wohnen, um beim DAV Achental Mitglied zu sein.
Der DAV fördert im Allgemeinen alle alpinen Sportarten wie Wandern, Klettern und Skitouren. Aber auch Mountainbiken und Trailrunning. Bei uns in der Region werden Kurse und Sicherheitsausbildungen dazu angeboten. Man kann sich bei uns auch weiterbilden z.B. zum Wanderführer, so dass Mitglieder für andere Mitglieder Angebote machen können. Es ist uns im Verein wichtig, dass wir uns intern so organisieren. Es gibt für alle Altersklassen Weiterbildungsprogramme, es gibt offene Kletterabende und es gibt die Boulderhalle an der Realschule in Marquartstein, die auch von uns betrieben und betreut wird. Was viele nicht wissen, ist, dass wir auch im Wegebau aktiv sind. Wir betreuen aktuell mit acht Wegewarten 75 km Wegabschnitte, unter anderem den Bohlenweg zur Vorderalm. Das ist ein aktuelles Projekt von uns, wie auch die Seilsicherung zum Weitlahnerkopf in Schleching.
Seit kurzem haben wir in Schleching die Brunnthalhütte im Angebot, die eigentlich zur Sektion München-Oberland gehört, aber von unseren Mitgliedern im Achental genutzt werden darf, da wir der Partner vor Ort sind.
Dann haben wir Naturschutz- und Umweltschutzprojekte, bei denen wir an Aufräumaktionen wie ‚Sauberes Achental‘ vom Achental Tourismus teilnehmen und Partner sind.
Viele Familien und junge Menschen entdecken gerade wieder das Wandern und Klettern für sich. Wie wichtig ist die Jugendarbeit für den DAV Achental und was möchtest Du weiter ausbauen?
Der Jugendbereich beim DAV Achental ist der Bereich, der mir persönlich besonders am Herzen liegt. Es ist zum einen die Zukunft unseres Vereins und ich persönlich glaube, dass mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich als junger Mensch öfters mal in die Berge gekommen wäre. Es macht viel mit dir, wenn du in die Berge gehst. Es gibt wenig Menschen, die begeistert sechs Stunden bergauf laufen. Irgendwann geht bei jedem innerlich ein Kampf los. Du wählst was aus, was anstrengend ist. Das ist bei jeder Alpinsportart so. Es ist so wichtig, Gemeinschaft zu erfahren – gerade als junger Mensch. Manchmal denke ich selbst, hätte ich mal früher lieber weniger gefeiert und stattdessen öfters mal in den Bergen biwakiert. Es war aber in meinem Umfeld kein Thema. Deswegen ist es mir so wichtig, in unserer Sektion genau dafür einen Rahmen zu schaffen, denn diese Erlebnisse als Kind und Jugendlicher die formen uns auch als Menschen.
Eine Herausforderung ist aktuell, weitere Jugendleiterinnen und Jugendleiter zu gewinnen. Sie sollten mindestens 16 Jahre alt sein, sportlich sein und gerne mit Kindern arbeiten. Wir bilden auch Jugendleiterinnen und -leiter aus und fort. Interessentinnen und Interessenten sollten auch regelmäßig Zeit mitbringen.
Wir suchen auch Wanderleiter für Erwachsene. Hier wollen wir das Angebot für Berufstätige ausbauen. Wir haben regelmäßige Wandergruppen am Dienstag und Donnerstag, mit Mitgliedern, die nicht mehr berufstätig sind. Wir wollen auch am Wochenende mehr Erlebnisse für Berufstätige anbieten und auch mehr Feierabendtouren. Wir freuen uns auf Menschen, die Spaß daran hätten, als Wanderleiter mit dabei zu sein.
Die Berge verändern sich sichtbar – Stichwort Klimawandel, Wetterextreme oder schwindender Schnee. Welche Veränderungen erlebst Du im Achental und was bedeutet das für den Bergsport?
Die größte Veränderung im Achental findet für die Wintersportler statt, denn bei uns ist kaum noch Wintersport möglich. Ich habe diesen Winter eine Schneeschuhwanderung gemacht und war 3x Schlittenfahren. Das war auch nur möglich, weil bei mir im Januar beruflich weniger los ist und ich die wenigen Schneetage nutzen konnte. Dafür haben alle, die Bergsportarten ohne Schnee ausüben eine längere Bergsaison. Ich denke, dass die Natur so unglaublich wandlungsfähig ist. Da sieht man auch daran, dass die Pflanzen nach oben wandern, wenn es ihnen unten zu warm wird. Wir alle sind Teil unserer Natur und wir dürfen wieder lernen, uns an unsere Natur anzupassen. Die Anpassungsfähigkeit der Natur braucht der Mensch auch und wir alle wollen auch in Zukunft verantwortungsvoll Bergsport betreiben. Wenn wir jetzt alles künstlich beschneien oder zum Skifahren weit wegreisen, dann sind das keine Maßnahmen, die den Klimawandel nachhaltig stoppen. Die Anpassungsfähig von uns allen, so wie es die Natur uns vormacht, ist ganz wichtig.
Der Alpenverein ist viel mehr als nur Wandern. Was würdest du jemandem sagen, der den DAV bisher nur „vom Hörensagen“ kennt? Warum lohnt es sich, Teil der Gemeinschaft zu werden?
Wir sind eine Gruppe von naturverbundenen Menschen, die die gleichen Interessen haben. Man hat die Möglichkeit, verschiedene Aktivitäten in der Natur regional, aber auch überregional auszuüben und Erlebnisse mit erfahrenen Alpinisten zu haben.
Weil man auch regional Touren macht, die man allein sonst nicht gemacht hätte. Unser Peter, der die schönen Dienstagstouren macht, kennt gefühlt jeden noch so kleinen Steigschmaler Wanderpfad im Umkreis von 100 Kilometern. Es ist immer ein Erlebnis, mit Peter unterwegs zu sein und neue Ziele zu entdecken. Man lernt viele über die Natur, die Sicherheit am Berg, und bei den Sektionsabenden haben wir immer Vorträge über spannende Themen aus der alpinen Bergsportwelt. Man lernt viel, sieht viel, erlebt viel – es gibt 1000 Gründe, warum man Teil der Gemeinschaft im Alpenverein werden sollte. Natürlich kommen viele Menschen zu uns wegen der Hütten und der Versicherung, die man als DAV-Mitglied hat.
Welche Auswirkungen haben Aktivitäten in den Bergen aus deiner Sicht auf die persönliche Gesundheit?
Als ich hierhergezogen bin, hatte ich gerade einen Burnout gehabt, war nur drei Stunden am Tag wach und bin gar nicht mehr rausgegangen. Die Berge haben signifikant dazu beigetragen, dass es mir wieder besser ging. Bergsport ist ein regelrechter Immunbooster. Das Immunsystem wird gefördert, die ATP Produktion in den Zellen wird angeregt, das bedeutet wir haben viel mehr Energie zur Verfügung. Schon der Anblick der Natur senkt unseren Stresslevel im Körper. Die Bewegung auf natürlichem Untergrund ist sogar gut, wenn man Knieprobleme hat. Es gibt Studien, die belegen, dass man Knie-OPs vermeiden kann, wenn man auf Waldwegen läuft. Dann gibt es Terpene, also ätherische Öle, die von den Bäumen abgegeben werden und stark entzündungshemmend wirken. Man ist einfach viel energiegeladener und gesünder, wenn man Aktivitäten in den Bergen unternimmt.
Ich könnte den ganzen Tag in den Bergen sein. Es ist so eine Lebensqualität, hier zu leben.
Was bedeutet für Dich Heimat?
Heimat ist für mich da, wo ich ein Gefühl von Frieden habe.
Was ist für dich „Typisch Achental“?
Für mich ist typisch Achental der Wind am Morgen.
Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Mein Lieblingsplatz im Achental ist auf dem Friedenrath und zwar am frühen Morgen, wenn alles noch so ruhig, frisch und klar ist. Ich brauche von meiner Haustür zwei Stunden hoch.
Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Meine liebste Tradition ist Musik auf der Alm. Da bin ich so begeistert davon. Es weckt großartige Emotionen bei mir und ich bin fasziniert davon, wo die Menschen ihre Instrumente hintragen
Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental und im ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl…?
Ein perfekter Tag für mich, wenn ich morgens schon früh auf den Berg komme, dann an einem See bei uns in der Gegend mich noch abkühlen kann und dann noch den Sonnenuntergang am ChiemseeDer Chiemsee ist der größte See Bayerns und wird oft als „Bayerisches Meer“ bezeichnet. Er liegt im Chiemgau und ist ein beliebtes Ziel für Badegäste, Wassersportler und Ausflügler. sehe – das ist ein perfekter Tag für mich.
Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
Ich mag gerne ‚Grattler‘ – das verwende ich gerne für alle unverschämten Menschen und Institutionen. Das nimmt dem Ganzen immer so die Schärfe.
Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst? Ich bin Veganerin und esse gerne die Bosna ohne Wurst.
Also die Semmel mit der Zwiebelsauce
Leberknödel oder Spinatknödel? Spinatknödel mit veganen Zutaten
Schweinsbraten oder Chiemseerenke? Die Beilagen von der Chiemseerenke
Berggehen oder Bergradeln? Berggehen ganz klar!
Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel mit Bergsee
Alpinski oder Nordicski? Schneeschuhe
Was ist Dein Lebensmotto?
Mein Lebensmotto ist: Panta rhei. Es kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet: Alles fließt. Man kann auch nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen – alles fließt vorbei. Wir sollten zulassen, dass sich alles permanent und stetig verändert und wir uns wie die Natur auch.




















