Auf a Wort im Achental mit Korbinian Mühlberger
Wir sind da, wenn es brennt. Die grundsätzliche Motivation bei uns allen ist, helfen zu wollen. Es macht auch sehr stolz zu sehen, was man gemeinschaftlich erreichen kann.
Korbinian Mühlberger aus Oberwössen ist hauptberuflich im Sondermaschinenbau tätig und wirkt in seiner Freizeit ehrenamtlich seit mehr als 25 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberwössen – mittlerweile gesamtverantwortlich als
1. Kommandant. Wir haben den verheirateten Familienvater kurz nach dem Bergwaldbrand Ende Juli 2026 in Oberwössen zum Gespräch in der Touristinfo im Alten Bad in UnterwössenOberwössen und Unterwössen sind Ortsteile der Gemeinde Unterwössen im Achental. Sie liegen idyllisch im Tal und bieten Zugang zu zahlreichen Wander- und Freizeitmöglichkeiten. getroffen.
Dieses Interview gibt es auch als Podcast zum Anhören:
Was sind die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr allgemein und bei euch in Oberwössen?
Die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr sind in Oberwössen die gleichen, wie bei jeder Freiwilligen Feuerwehr: Sie liegen vor allem in der Brandbekämpfung und in der technischen Hilfeleistung. Also bei Verkehrsunfällen, Naturkatastrophen oder was sonst so ansteht, ist die Freiwillige Feuerwehr zur Stelle. Das sind unsere Kernaufgaben. Natürlich sind so Großeinsätze wie der aktuelle Bergwaldbrand spektakulär und gottseidank selten, aber in der Regel geht es um Brandbekämpfung jeglicher Art und technische Hilfeleistung.
In Bayern sind die Berufsfeuerwehren sehr selten – für uns ist die nächste Berufsfeuerwehr tatsächlich erst in München. Bei uns funktioniert alles über die Freiwilligen Feuerwehren – wir sind da, wenn es brennt.
Wie bist du zur Freiwilligen Feuerwehr gekommen?
Ganz initial kann ich das gar nicht sagen. Ich bin schon sehr früh zur Freiwilligen Feuerwehr gekommen mit 14 Jahren, weil mich die Feuerwehr immer schon fasziniert hat. 14 Jahre ist auch unser Einstiegsalter.
In Oberwössen ist die Feuerwehr auch eine Institution, wo man als Jugendlicher einfach mit dabei ist. Da waren alle dabei und sind es auch heute noch. Es ist einfach ein Zusammenkommen und gemeinschaftliches Wirken.
Wie haben sich die Aufgaben in den letzten Jahren verändert?
Die Aufgaben haben sich tatsächlich nicht so verändert, wie wir das vielleicht aufgrund der aktuellen Geschehnisse wahrnehmen. Wir sind ein kleiner Ort, in dem es sehr in der Regel ruhig zugeht. Es gab immer mal größere Schadenslagen, wie das Hochwasser Anfang der 2000er Jahre, dann hatten wir Stürme, eine Schneekatastrophe und jetzt den Bergwaldbrand. Es sind also immer mal wieder Naturkatastrophen in der einen oder anderen Richtung.
Wie kommuniziert ihr denn im Alarmfall:
Wir haben drei Säulen der Alarmierung: Es gibt die Sirene, dann die Funkmeldeempfänger, im Prinzip wie ein Pager und dann die Handyalarmierung. Das ist eine spezielle App, die den Stummmodus umgeht und im Alarmfall mitteilt, wo muss man hin und was ist los.
Wie viele Mitglieder zählt die Freiwillige Feuerwehr in Oberwössen?
Wir sind aktuell 54 aktive Feuerwehrfrauen- und -männer. Und 78 passive und Fördermitglieder. Somit sind wir aktuell 132 Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberwössen.
Wie werdet ihr auf eure Aufgaben vorbereitet? Wie schaut die Ausbildung aus?
Die Ausbildung ist modular gehalten. Es geht los am Anfang mit modularer Truppausbildung, wo man die elementaren Dinge lernt, wie: Wie rolle ich einen Schlauch auf, wie lösche ich ein Feuer, wie mache ich den richtigen Knoten? Das geht dann weiter mit vertiefender Ausbildung in Technik, Erste Hilfe und solchen Themen. Nach knapp zwei Jahren ist man fertiger Feuerwehrler. Dann hat man den Grundstock geschaffen, auf dem man aufbauen kann und kann sich dann spezialisieren. Es gibt dann die Sonderwege im Atemschutz, in der Absturzsicherung oder Maschinisten, die die Fahrzeuge bedienen oder im Führungssystem, um Führungsverantwortung zu übernehmen. Vieles läuft dann auf Landkreisebene, die einen sehr guten Ausbildungskatalog haben. Spezialausbildungen finden in einer der drei Feuerwehrschulen in Bayern statt, die Plätze dort sind aber leider sehr knapp.
Die Ausbildung wird von den Gemeinden als Träger der Feuerwehr übernommen. Wir Ehrenamtliche Feuerwehrler spendieren unsere Zeit und den Willen, zu helfen. Ausbildung und Ausstattung werden von den Gemeinden getragen. Die Feuerwehr ist eine Grundaufgabe der Gemeinde.
Wie arbeitsintensiv ist so ein Ehrenamt?
Es ist schon sehr arbeitsintensiv. In der Mannschaft sollte man regelmäßig zu den Übungen kommen. Die Einsatzzeiten variieren dann immer.
Als Kommandant ist man schon sehr eingebunden, da zusätzlich zu den Einsätzen noch einiges an administrativen Aufgaben dazukommt – auch Öffentlichkeitsarbeit wie heute dieses Interview.
Was ist deine Motivation, dich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren?
Die grundsätzliche Motivation bei uns allen ist, helfen zu wollen. Es macht auch sehr stolz zu sehen, was man gemeinschaftlich erreichen kann. Wie jedes Zahnrad ineinandergreift – auch rückblickend auf den großen Einsatz, wo mehr als 300 Kräfte zeitgleich im Einsatz waren. Wenn man am Schluss dann dasteht und gemeinsam sagen kann: Das Feuer ist aus – jetzt haben wir es zusammen geschafft. Selbst so kleine Einsätze, wie eine Katze vom Baum zu holen und jemand glücklich zu machen – auch das macht stolz.
Was wünschst du dir von Gästen und Einheimischen für die Zukunft? Auf was sollten wir wann besonders achten?
Jetzt im Waldbrand sind wir sehr positiv wahrgenommen worden. Leider ist es nicht immer so. Oft sind die Menschen sehr ungeduldig, wenn ich z.B. an Straßensperren denke, z.B. bei einem Unfall. Was wünschen wir uns dann? Vielleicht etwas mehr Geduld und Verständnis für die Situation. Wir stehen nicht zum Spaß dort, sondern es hat immer einen Grund, wenn wir da sind. Gerade in Verkehrssituationen sind wir oft weit unten, was den Respekt angeht. Hier wünschen wir uns mehr Gemeinsinn von allen.
Aktuell sollten wir uns alle bewusst sein, dass auch bei uns in Zeiten großer Trockenheit akute Waldbrandgefahr bestehen kann und dass auch die Wasserressourcen endlich sind. Wir konnten aktuell auf das Wasser aus dem Wössner See und dem Hammerergraben zurückgreifen. Es waren über eine Million Liter, die die Hubschrauber transportiert haben, und nochmal so viel sind mit den LKWs und Tanklöschwagen herangeschafft worden.
Wie kann man euch unterstützen?
Wir freuen uns immer über Freiwillige – Frauen wie Männer – die bereit sind, sich bei uns ehrenamtlich zu engagieren. Die Jugendfeuerwehr beginnt ab 14 Jahren, ab 16 Jahren darf man schon beim Einsatz mitfahren, ab 18 Jahren dann am Einsatz teilnehmen. Das Höchstalter bei der Feuerwehr ist gesetzlich geregelt mit 65 Jahren.
Man kann uns auch monetär unterstützen mit einer Fördermitgliedschaft und/oder einer Einmalspende. Wir haben intern schon eine Liste erstellt von Gegenständen, die wir mit Spenden anschaffen würden, die uns bei diesem Waldbrand noch gefehlt haben.
Die Spendenmöglichkeit findet man auf unserer Website:
www.feuerwehr-oberwoessen.de.
Beim aktuellen Bergwaldbrand war die Hilfsbereitschaft und die Verpflegung aus der Dorfgemeinschaft außergewöhnlich. Es gab Sachspenden aus dem lokalen Handel und ein großartiges Kuchenbüffet mit emotionalen, gemalten Kinderbildern als Dankeschön.
Was bedeutet für Dich Heimat?
Heimat ist der Ort, wo Familie und Freunde sind und wo man sich geborgen fühlt.
Was ist für dich „Typisch Achental“?
Typisch Achental ist für mich die Landschaft zwischen den Seen und den Bergen.
Wo ist dein Lieblingsplatz im Achental und warum?
Mein Lieblingsplatz ist allgemein sehr früh auf dem Berg oder in der Nebensaison, wenn nichts los ist. Den einen Lieblingsplatz habe ich nicht oder mag ihn auch nicht verraten.
Welches ist dein liebster Brauch oder deine liebste Tradition?
Die liebste Tradition ist die Sonnwendfeier im Sommer, weil alle zusammenkommen.
Was ist ein perfekter Tag für dich im Achental und im ChiemgauDer Chiemgau ist eine Urlaubsregion in Oberbayern zwischen Alpen und Voralpenland. Sie ist bekannt für ihre vielfältige Landschaft mit Bergen, Seen und traditionellen Dörfern. Besonderheiten: Nähe zum Chiemsee vielfäl…?
In der Früh sehr früh aufstehen und auf den Berg radeln, danach zurück im Tal mit der Familie schwimmen gehen und auf d’Nacht im Garten grillen.
Welches ist dein bayerisches Lieblingswort? Und was bedeutet es?
„Muckenbeidl“ – das ist die kleinstmögliche, bayerische Maßeinheit.
Kurze Fragen zu Kulinarik in Bayern:
Bosna oder Weißwurst? Weißwurst
Leberknödel oder Spinatknödel? Leberknödel
Schweinsbraten oder Chiemseerenke? Schweinsbraten
Berggehen oder Bergradeln? Bergradeln
Berggipfel oder Bergsee? Berggipfel
Alpinski oder Nordicski? Mittlerweile mehr Nordicski
Was ist Dein Lebensmotto?
Positiv und optimistisch nach vorne schauen, nicht lange nörgeln, sondern selbst anpacken.







